Das Restless Genital Syndrom

Wir helfen einander


    Ergänzung zu meinem Schreiben an Wissenschaftler

    Austausch

    Aristocat
    Neuling
    Neuling

    Anzahl der Beiträge : 90
    Anmeldedatum : 23.05.15

    Ergänzung zu meinem Schreiben an Wissenschaftler

    Beitrag  Aristocat am Do Jul 28, 2016 9:36 am

    Im Mai hatte ich versprochen, mich bei neuen Erkenntnissen wieder zu melden. Ich habe das Wundermittel zwar noch nicht gefunden Smile , aber bin, so glaube ich, um einige Erkenntnisse reicher geworden.

    Das Kundalini Modell, das ich in meinen bisherigen Posts und den Berichten an die Wissenschaftler herangezogen habe, um die Symptomatik von PGAD und RGS zu erklären, erscheint mir für die westliche Medizin nur schwer nachvollziehbar. Ich möchte daher das Problem nochmals von einer anderen Seite ansehen und noch eine Ergänzung hinzufügen, die vielleicht etwas verständlicher ist.

    Aufgrund der Verlinkung meines Berichtes auf dem amerikanischen „pudendalhope“ Forum, hat sich bei mir ein Mann gemeldet, mit dem ich einen kurzen aber interessanten Austausch hatte. Bereits vor Jahren war er mit Pudendus Neuralgie diagnostiziert worden und hatte das gesamte Behandlungsspektrum durchlaufen; Krankengymnastik, Botox Spritzen etc. bis hin zur Operation am Nerv; nichts hatte geholfen. Über 10 Jahre hatte er derartige Schmerzen, dass er nicht mehr in der Lage war, seinen Beruf auszuüben und ein geregeltes Leben zu führen. Dann hat er sich eingehend mit Psychosomatik befasst, mit Autoren wie John Sarno, Peter Levine, Robert Scaer, Sigmund Freud, Wilhelm Reich und Anderen und hat begonnen, entsprechende Übungen zu machen. Peter Levine hat in diesem Zusammenhang die Therapieform des „somatic experiencing“ entwickelt, um Traumata im Nervensystem verarbeiten zu können. Nach zwei Jahren war er absolut beschwerdefrei, was nunmehr bereits seit ebenfalls zwei Jahren anhält. Er hat seinen Beruf wieder aufgenommen und lebt ein zufriedenes Leben. Dieser Forum Teilnehmer hat mir erklärt, dass es sich seiner Meinung nach auch bei meinem Kundalini Modell um ein sog. „mind-body-syndrome“ handelt und mich auch auf die o.g. Autoren hingewiesen.

    Ich habe begonnen, Robert Scaer („The Body Bears The Burden“, „Das Trauma Spektrum“) und Peter Levine („Trauma – Heilung“, „Trauma und Gedächtnis“) zu lesen, die beide ein tiefes Wissen über und Verständnis von Psychosomatik oder mind-body Zusammenhängen haben. Sie wissen, warum Menschen, nach häufig gar nicht gravierenden Autounfällen, massive körperliche Reaktionen zeigen, ohne die Möglichkeit eines physischen Nachweises.

    Ich halte inzwischen PGAD und RGS für eine fürchterliche psychosomatische Erkrankung, ein mind-body Syndrom, eine somatische Dissoziation, bleibe allerdings bei der Meinung, dass diese Reaktionen des Körpers energetisch herbeigeführt werden, vorrangig über die Energien der Gefühle und der Gedanken und durchaus auch über eine aktivierte Kundalini Energie. Da hierüber aber mit der Wissenschaft überhaupt nicht zu reden ist, hilft vielleicht das psychosomatische Modell im Moment weiter.
    Dazu muss man auch wissen, dass das von mir angeführte Kundalini Modell des Ostens vom Grundsatz her ein Modell der Traumatisierung ist. Wenn man von der Philosophie des Kundalini Yoga weiß, ist es klar, dass das Nervensystem verändert werden muss, um hoch veränderte Bewusstseinszustände im Gehirn hervorzurufen. Eine Veränderung des Nervensystems bedeutet also immer einen Prozess des Leidens und höchster Anstrengung, so, wie traumatisierte Menschen ihr Nervensystem auch erleben. Der Unterschied ist, dass ein Kundalini Prozess im Yoga irgendwann einmal abgeschlossen ist und das Gehirn verändert ist, während psychosomatische Erkrankungen eher dazu neigen, sich stetig zu verschlimmern.

    Die Gründe, warum ich PGAD und RGS für psychosomatisch, oder für ein mind-body Syndrom halte, sind folgende:

    Sowohl die sexuellen Gefühle, als auch die Schmerzen sind nicht immer konkret im Körper spürbar. Es wechselt ständig zwischen Körperschmerz und „Phantomschmerz“. Einem starken Juckreiz in der Vagina z. B. kann keine Abhilfe geschaffen werden, da er nicht im Gewebe der Vagina entsteht.
    Bei sexuellen Geschehnissen spielen die veränderten Bewusstseinszustände eine gewichtige Rolle.
    Wie ich bei mir und durch die Aussagen anderer Frauen festgestellt habe, gibt es auch sporadische bis häufige Probleme in anderen Bereichen des Körpers. Diesen wird jedoch keine oder kaum Beachtung geschenkt, weil der urogenitale Bereich durch die extremen Sensationen alle anderen körperlichen Probleme übertüncht.
    Die Sexualität verändert sich erheblich. Sie wird sensitiver und in extremen Fällen automatisiert sie sich.

    Letzterer ist ein Punkt, bei dem ich auf eine Aussage Freud's hinweisen möchte, die der o.g. Forum Teilnehmer immer unter seine Kommentare postete.

    „ Unexpressed emotions will never die. They are buried alive and will come forth later in uglier ways.” (Nicht ausgedrückte Emotionen werden nie sterben. Sie sind lebend begraben und werden später in einer hässlicheren Art und Weise hervorkommen.)

    Wenn das stimmt, was Freud gesagt hat, sind die furchtbaren Schmerzen erklärbar und ebenfalls die Veränderung der Sexualität, die so belastend ist und ihre eigentliche Funktion übersteigt, praktisch kollabiert. Freud sagt nichts anderes, als dass unverarbeitete Erfahrungen und Traumata bei ihrer „Rückkehr“ im Körper potenziert erlebt werden, d.h., die psychosomatische Erkrankung, oder vielleicht wirklich besser gesagt, das mind-body Syndrom ist u. U. gravierender als das zugrunde liegende Ereignis. Deswegen die unerträglichen Schmerzen, die stark veränderte Sexualität und die veränderten Bewusstseinszustände.

    Ich möchte dazu ein kurzes Beispiel schildern, dass mir selbst in den letzten Wochen zugestoßen ist und das sich wirklich fast unglaublich liest. Ich bin mir allerdings inzwischen darüber im Klaren, dass ich massiv psychosomatisch reagiere.

    Am 13.04.2016 setzte mein Orthopäde mir sechs Cortison Spritzen in den unteren Rücken, da ich so gravierende Rückenschmerzen hatte, dass ich kaum noch laufen konnte. Er wies mich darauf hin, dass ich ein „Cortisongesicht“ bekommen könnte. 27 Stunden später trat dies auch ein. Nur die linke Gesichtshälfte wurde rot und brannte leicht, wie nach einem leichten Sonnenbrand. Am nächsten Morgen war alles vorbei. Mein Rücken ist bis heute in Ordnung, es gab keine weiteren Probleme.
    Am 19.06.2016, über zwei Monate später schaute ich noch spät Fernsehen, da ich einen Bericht über „Silicon Valley“ sehen wollte. Es war alles in bester Ordnung. Plötzlich spürte ich einen kurzen, dumpfen Schmerz in meinem Bauch, kurz darauf einen weiteren in meinem Magen (meiner Meinung nach war es der Solar Plexus). Mir schoss durch den Kopf: Das ist nicht dein Darm. Dann fuhr ein massiver energetischer Strom von unten nach oben durch meinen Körper, und ich merkte, dass etwas mit meinem Gesicht nicht stimmte. Das Ganze dauerte höchstens sieben Sekunden. Ich schaute in den Spiegel und sah die gleiche Reaktion wie bei meinem „Cortisongesicht“. Dieses Mal aber erheblich ausgeprägter. Mein ganzes Gesicht war krebsrot, es brannte wie Feuer und mein Mund schwoll bedenklich an. Als ich nach einiger Zeit feststellte, dass die Reaktion nicht noch zunahm, ging ich ins Bett. Am nächsten Morgen war alles vorbei.
    Vielleicht hat Freud doch recht?! Das zwei Monate zuvor verabreichte Cortison kann diese 2. Reaktion wohl nicht hervorgerufen haben.

    Dieses Beispiel ist sehr offensichtlich, da zwischen Ereignis und psychosomatischer Reaktion ein relativ kurzer Zeitabstand lag und der körperliche Ausdruck von beiden der gleiche war. Schwieriger wird es, wenn das ursprüngliche und das psychosomatische Ereignis zunächst keinen erkennbaren Zusammenhang aufweisen.

    Ich weiß schon seit längerem, dass im Osten dieser Kundalini Energie nachgesagt wird, dass sie im Körper alte, teils uralte Begebenheiten imitiert. Unser prozessuales Gedächtnis, wie Robert Scaer es nennt, wird in der Posttraumatischen Belastungsstörung und in der Psychosomatik massiv aktiviert, wenn das Erlebte nicht entsprechend verarbeitet wurde. Dabei muss es sich keineswegs immer um große, klar erkennbare Traumata wie Missbrauch, Vergewaltigung, Folter etc. handeln. Der Osten weiß schon lange, was Freud gesagt hat. Alte Traumata „wiederholen“ sich irgendwann. Der Osten setzt diesen psychosomatischen Prozess der alten Traumata über die Kundalini Energie teilweise willentlich in Gang, da er der Meinung ist, darüber Körper und Geist zu „reinigen“. Der Westen kennt diesen Prozess nicht, und wir müssen sehr klar sehen, dass wir nichts Konkretes an der Hand haben, psychosomatischen Ereignissen zu begegnen, es sei denn, wir erweitern und intensivieren das Spektrum der Körpertherapien, Peter Levine's „somatic experiencing“.

    Vielleicht erinnert sich der ein oder andere, dass ich in meinem Artikel berichtet habe, dass ich diese Gefühle sehr bald nach ihrem Entstehen „Phantomgefühle“ nannte, da ihr nicht klares Vorhandensein im Körper für mich ein vorrangiger Aspekt des ganzen Geschehens war; ebenso die Sexualität ohne sexuelle Erregung könnte man so bezeichnen. Ich lese gerade in diesen Tagen von Robert Scaer das Buch „Trauma Spektrum“. Der Autor war mir im April, beim Schreiben meines Artikels, noch kein Begriff. Er schreibt auch eine kurze Abhandlung über Phantomschmerzen und nennt sie eine Art „Prototyp“ oder „Metapher“ für traumatischen/psychosomatischen/mind-body Schmerz. Ein bisschen freue ich mich schon, dass meine Intuition und die genaue Beobachtung meiner Gefühle, mich sehr bald nach Entstehung des PGADs auf diese Idee hat kommen lassen, die ich jetzt bei Robert Scaer bestätigt finde.

    Abschließend möchte ich noch etwas erwähnen, das mir auch erst in den letzten Wochen sehr bewusst geworden ist. Irgendwann habe ich bewusst etwas fester in meinen Bauchnabel gedrückt. Dabei habe ich festgestellt, dass das sexuelle Gefühl wie ein Strahl durch den Bauch bis in die Klitoris verlief. Es würde zu dem passen, was ich zum „Kundalini Modell“ geschrieben habe, nämlich dass es sich bei PGAD um ein hoch aktives autonomes Nervensystem handelt, vornehmlich im vorderen Bereich des Körpers. Vielleicht spielt das zentrale Nervensystem nur eine untergeordnete Rolle und wird erst in dem Moment aktiv, wenn aus der „Phantoms Sexualität“ aktive, „wirkliche“ Sexualität wird.
    Natürlich bin ich ins Internet gegangen, musste aber feststellen, dass es wissenschaftlich oder zumindest neurologisch dazu keinerlei Auskünfte gibt. Allerdings konnte ich lesen, dass sowohl Frauen als auch Männer öfters genau diese Frage stellen und dabei beschreiben, dass sie bei der Reinigung oder Berührung des Bauchnabels die Klitoris oder die Penisspitze spüren, teilweise bis hin zu Schmerzen. Dann beschrieben einige Frauen etwas, das mir auch aufgefallen ist, nämlich dass gerade Bücken äußerst unangenehm ist. Ich habe besonders beim Saubermachen, wenn ich mich häufig gebückt habe, bemerkt, dass die sexuellen Gefühle, die Schmerzen, das Scheuern, die Belastung der Blase und des Beckenbodens bis hoch in den Bauchraum besonders aktiviert wurden. Vielleicht ist diese „Knickhaltung“ des Körpers im Hinblick auf das Nervensystem auch der Grund, warum das Sitzen für fast alle Betroffenen so problematisch ist.
    Einige Frauen beschrieben auch, dass sie die Berührung des Bauchnabels auch in der Vagina spüren könnten.
    Wie ich gelesen habe, sind die Verzweigungen des autonomen Nervensystems im Bauchraum und im uro-genital Bereich sehr stark. Meinem Gefühl nach, müsste es ein bestimmter Nervenstrang sein, der gerade vom Bauchnabel durch Beckenboden, Gebärmutter und Blase sowohl zur Vagina als auch bis zur Klitoris verläuft. Wenn ich dabei nochmals an das Chakra System zurück denke, müsste dieser Nervenstrang logischer Weise auch in die andere Richtung hoch zum Solar Plexus und noch weiter hoch verlaufen. Darüber hinaus kennt man dort das sog. Nabel Chakra, ein Nervenplexus von erheblicher Bedeutung.

    Ich weiß nicht, ob es neurologisch möglich ist, diesen Nervenstrang, der scheinbar die Hauptprobleme bei PGAD verursacht, zu lokalisieren, aber ich weiß, dass wir beginnen müssen, in diese Richtung zu denken und dass Patienten Ärzten differenzierte Auskünfte geben müssen und Ärzte umgekehrt Patienten sehr differenziert zuhören müssen.
    Die führenden amerikanischen Trauma Forscher wissen, dass man derartige Schmerzen nicht therapeutisch „wegreden“ kann und dass sie nur sehr bedingt auf Schmerzmittel oder Psychopharmaka ansprechen. Alle halten sog. Körpertherapien für erforderlich. Wie ich dann festgestellt habe, gibt es kaum Psychologen, die sich auf diesem Gebiet gut auskennen. Viele haben sich „Psychosomatik“ auf die Fahnen geschrieben, aber wirklich behandeln können sie sie nicht. Die Psychiatrie arbeitet nur mit Medikamenten und glaubt ernsthaft, dem Ganzen mit Antidepressiva begegnen zu können, Drogen, die die Hirnchemie massiv stören. Aber der Glaube versetzt bekanntlich Berge.

    Wie ich festgestellt habe, werden Körpertherapien kaum von Psychologen, sondern überwiegend von Heilpraktikern oder Körpertherapeuten anderer Professionen durchgeführt. Das bedeutet, dass die Krankenkassen sie nicht finanzieren. Wer sich trotzdem interessiert, für den füge ich hier die Therapeutenliste der von nach Peter Levine zertifizierten Therapeuten hinzu. http://www.somatic-experiencing.de/
    Ich jedenfalls werde jetzt einen Versuch auf diesem Weg angehen.

    Wie schon gehabt, sollte ich zu neuen Erkenntnissen gelangen, bleibe ich am Ball und werde mich wieder melden.

    Liebe Grüße an alle Interessierten
    Aristocat


    Aristocat
    Neuling
    Neuling

    Anzahl der Beiträge : 90
    Anmeldedatum : 23.05.15

    Re: Ergänzung zu meinem Schreiben an Wissenschaftler

    Beitrag  Aristocat am Do Jul 28, 2016 2:54 pm

    Wer noch tiefer gehende Informationen zu "Somatic Experiencing" haben will und Englisch lesen kann oder will, hier ist noch die amerikanische website zu dieser Form der Traumabehandlung: traumahealing.org

    Ansonsten vielleicht mal ein Buch von Peter Levine oder Robert Scaer lesen.

    LG Aristocat

    Waupi
    Neuling
    Neuling

    Anzahl der Beiträge : 65
    Anmeldedatum : 20.10.15

    Re: Ergänzung zu meinem Schreiben an Wissenschaftler

    Beitrag  Waupi am Do Jul 28, 2016 6:53 pm

    Ich habe dieses Jahr von Levine "Sprache ohne Worte" gelesen. Ein gutes Buch!
    Hierzu kann ich Dir noch die Bücher von John. E. Sarno empfehlen.

    Dass ich meine Symptome entgegen der angeblichen Spezialisten eindeutig der Psychosomatik zurechne, habe ich schon zu Anfang gesagt, da wurde mir hier ja vehement widersprochen.
    Schön, dass wir uns da jetzt soweit einig sind.

    LG
    Waupi

    Aristocat
    Neuling
    Neuling

    Anzahl der Beiträge : 90
    Anmeldedatum : 23.05.15

    Re: Ergänzung zu meinem Schreiben an Wissenschaftler

    Beitrag  Aristocat am Fr Jul 29, 2016 5:49 pm

    Danke für den Hinweis auf John E. Sarno, den hat der Teilnehmer vom "pudendalhope" Forum auch vorrangig benannt. Allerdings ist er fast nur noch auf Englisch zu haben, bis auf das Rückenbuch, wenn ich mich recht erinnere.

    Ich habe nicht mehr alles in Erinnerung, was hier geschrieben wurde, aber es stimmt, dass Du irgendwann gesagt hast, dass PGAD psychosomatisch ist. Ich meine aber auch, dies nie abgestritten zu haben, da aufgrund des Kundalini Modells für mich immer klar war, dass da nichts im Körper zu finden ist. Es ist lediglich ein für uns nur schwer nachvollziehbares, anderes Modell. Im Nachhinein gebe ich zu, dass es wahrscheinlich zu schwierig und vor allem umständlich war, um es allgemein verständlich zu machen. Aber immerhin war mal ein Anfang gemacht. Ja, auch ich freue mich, dass wir nun soweit einig sind.

    Noch zur Information an alle. Ich habe eine etwas veränderte Version meines obigen Posts noch an Frau Dr. Philippsohn geschickt. Ich habe nicht viel Lust, das noch ins Englische zu übersetzen und auch an Prof. Waldinger zu schicken. Die Hoffnung, dass sich in den Köpfen derer, die sich mit dieser Problematik befassen, etwas verändert, stirbt bekanntlich zuletzt.

    LG Aristocat

    Leeloo
    Neuling
    Neuling

    Anzahl der Beiträge : 43
    Anmeldedatum : 24.10.15

    Re: Ergänzung zu meinem Schreiben an Wissenschaftler

    Beitrag  Leeloo am Mi Aug 03, 2016 9:42 am

    Danke, für deinen ausführlichen Bericht. Dieser Satz trifft auch auf mich zu: Ich habe besonders beim Saubermachen, wenn ich mich häufig gebückt habe, bemerkt, dass die sexuellen Gefühle, die Schmerzen, das Scheuern, die Belastung der Blase und des Beckenbodens bis hoch in den Bauchraum besonders aktiviert wurden.

    Ansonsten weiß ich inzwischen, dass es bei mir pschosomatisch bedingt ist, oder diese Thematik zumindest eine sehr große Rolle spielt. Ich überlege auch, ob es eine Art körperliche "Abwehrhaltung" sein könnte, ein auf Abstand halten sich sozusagen selbstständig gemacht hat ... das intimste ist nun mal genau dieser Körperbereich... ich muss noch etwas länger überlegen... aber zum Glück kristalisieren sich im Verlauf der Erkrankung winzige Fragmente heraus, die hoffentlich irgendwann ein Gesamtbild ergeben.

    Aristocat
    Neuling
    Neuling

    Anzahl der Beiträge : 90
    Anmeldedatum : 23.05.15

    Re: Ergänzung zu meinem Schreiben an Wissenschaftler

    Beitrag  Aristocat am Sa Okt 29, 2016 4:14 pm

    da ich mich der Diskussion von Laila und Waupi unter "Wünsche, Beschwerden, Anregungen...." nicht anschließen möchte, schreibe ich nochmals unter diesem Thema. Mir ist aufgefallen, dass einige Begrifflichkeiten zur Kundalini Energie nicht richtig verwandt werden, was ich hiermit nochmals klarer erläutern möchte.

    Es geht bei der Kundalini nicht um Guruismus, Hokuspokus oder Energiearbeit. Wenn ich mich recht erinnere habe ich in diesem Zusammenhang auch nicht von Energiearbeit gesprochen, sondern davon, dass die Kundalini eine Energie ist, so wie es auch die Meridian Energie gibt. Energiearbeiter gehen in veränderte Bewusstseinszustände (Trancen) und können so mit dem Energiefeld anderer Menschen Kontakt aufnehmen und wenn sie gut sind, das sind allerdings die Wenigsten, es auch beeinflussen.

    Also, ich möchte, dass wir alles sehr genau auseinanderhalten, denn bei Kundalini geht es um knallharte Traumatisierung. Ich drücke das nicht gerne so aus, aber so bleibt es vielleicht im Gedächtnis.
    Als ich das Kundalini Modell erklärt habe, habe ich versucht, einen Bogen zur Wissenschaft zu schlagen und es in eine moderne Sprache zu übersetzen.

    1. Diese Kundalini Energie gibt es. Sie als Mystizismus oder als Konzept zu bezeichenen, wie ich es einmal gelesen habe, ist einfach nur ignorant und unwissend.

    2. Diese Energie setzt das gesamte autonome Nervensystem, das Drüsensystem und damit auch das Gehirn in einen, grob gesagt, veränderten Zustand und zwar den der Traumatisierung.

    3. Dieser Zustand ruft Phänomene im mensclichen Körper hervor.
    Kribbeln in den Beinen - das berühmte RLS, Grummeln im Solar Plexus, Probleme im Rachen-, Kiefer- und Stirnbereich, unklarte Schmerzen im ganzen Körper, Kopfschmerzen, Körperzuckungen (vor allem beim Wechsel des Bewusstseinszustands - einschlafen), ungewollte Körperbewegungen, Trancezustände und, was wohl den Teilnehmern dieses Forums erspart bleibt, gravierende mentale Probleme wie Stimmen hören und Halluzinationen. Des weiteren sind Dissoziationen - weggehen vom Körperlichen und sich immer weniger spüren ist fast gang und gäbe in diese Prozess.

    Das, was der Osten als "Kundalini Prozess" beschreibt, nennen wir Traumatisierung. Der "Kundalini Prozess" ist ein hoch traumatischer Prozess, oder, wie ich bereits geschrieben habe, ein potenzierter Traumatisierungsprozess, weil das traumatische Ereignis nicht beendet ist, sondern, aktiviert über diese Energie, über einen langen Zeitraum fortbesteht.

    4. Man weiß, dass in einem Trauma dissoziiert wird, d.h., entweder der Körper, oder Teile des Körpers, werden nicht mehr gespürt, oder der Geist dissoziiert in Trancen durch Abschalten (man bekommt nicht mehr mit, was um einen herum passiert, ist nicht mehr im Hier und Jetzt), oder der Mensch geht ganz aus dem Körper heraus und sieht sich selbst.
    Diese dissoziativen Zustände werden benötigt und müssen trainiert werden, um in die berühmte Erleuchtung zu gelangen. Der Erleuchtungszustand ist nichts anderes, als ein hoch, hoch, hoch dissoziierter Zustand von Körper und Geist.

    5. Also hat der Osten (und nicht nur der) schon vor sehr langer Zeit gesagt, es gibt nur einen Weg in die Erleuchtung, der führt über die Kundalini Energie, weil sie massive Traumatisierungssymptome im Menschen hervorruft, deren Folge Dissoziationen sind und damit gravierend veränderte Bewusstseinszustände.

    6. RGS und RLS sind gravierende Phänomene einer Kundalini Auslösung, oder, wie wir es nennen, einer Traumatisierung.

    7. Der Osten ruft diese Traumatisierung (Kundalini Auslösung) teilweise mit Absicht hervor. Es gibt Gurus, die erteilen ihren Schülern den sog. "Shaktipat", wodurch im Schüler eine Auslösung aktiviert wird. Da der Kundalini Prozess sehr viel mit dem Unterbewusstsein zu tun hat, halte ich diesen "Shaktipat" für einen posthypnotischen Befehl an das Unterbewusstsein des Schülers. Auf gut deutsch nochmal, der Guru ruft eine Traumatisierung hervor.

    Ein zweiter großer Aspekt dieser Form der Traumatisierung ist der der Emotionen. Deswegen hat Peter Levine sein "Somatic Experiencing" ins Leben gerufen. Er arbeitet mit Gefühlen, mit häufig abgespaltenen und unbewussten Gefühlen. Er macht keine Energiearbeit im üblichen Sinne, aber er weiß, dass es energetische Prozesse gibt, und er lässt sie seine Patienten über das Fühlen spüren.
    Der Osten sagt, der "Energiekörper" muss gereinigt werden, d.h., die Kundalini (sie trägt das Bild einer Feuerschlange) brennt die Emotionen weg und reinigt damit den "Energiekörper". Gemeint sind natürlich all die negativen Gefühle, die wir so mit uns rumschleppen. Übrig bleiben dann universelle Liebe, Demut und Mitgefühl. Also, das Trauma (Kundalini) schleift die negativen Emotionen ab und erledigt die Vergangenheit, sie "löscht "emotionale" Erinnerungen. Wir denken z.B. nicht mehr voll Rachsucht an die Frau, die statt unser den tollen Mann abbekommen hat, oder ihn uns gar weggenommen hat.
    Soweit zum Osten, jetzt kommt der Westen.
    Viele Betroffene berichten, dass sie die malträtierenden Gefühle nicht konkret in ihrem Körper fühlen. Mal sind sie körperlich, mal "irgendwie unkörperlich". Darüber hinaus sind die sexuellen Gefühle verstärkt und von einer anderen Qualität, und die Schmerzen sind teilweise hyper-schmerzhaft. Diese massiv veränderte Qualität der Gefühle, nicht immer direkt im Körper gefühlt, halte ich für den alten Begriff des "Energiekörpers". Unser Nervensystem scheint in einer veränderten Form an das Gehirn zu senden, und das Gehirn reagiert ebenfalls in veränderter Form. Es ist praktisch der dissoziierte Zustand in Nervensystem und Gehirn.
    Diese veränderte, dissoziierte Art von Gefühlen ist das, was die Medizin als Psychosomatik bezeichnet. Es ist nicht die Seele, die irgendwie auf den Körper einwirkt, das ist das reinste Wischiwaschi. Es ist ein nicht abgeschlossenes Trauma, das das autonome Nervensystem in Gang hält, im sog "Freezing Zustand" hält und diese veränderten dissoziierten Gefühle hervorruft.
    Ich habe es schon einmal geschrieben, Robert Scaer, ein ebenfalls berühmter Traumaforscher, hält den Phantomschmerz - und diese Gefühle haben wir, dies ist der richtige Begriff - für eine Metapher oder einen Prototyp für psychosomatischen Schmerz. Somit ist auch die Sexualität, wie immer sie der Einzelne erlebt, zumindest zu einem großen Teil, psychosomatisch, also nicht real im Körper stattfindend.

    Ein Kundalini Prozess ist ein fortlaufender Traumatisierungsprozess. Dass es so etwas gibt, davon hat das Gros der Medizin keine Ahnung. Eine derartige Traumatisierung hat zur Folge, dass der Mensch bezgl. seiner Gefühle mehr und mehr abgeschliffen wird. Der Kundalini Weg ist ein Schleifweg, auch wenn dies sehr selten nur klar benannt wird.

    Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten, solange keine schnell wirkende Hilfe gefunden ist:

    1. Wir zetern, ärgern uns, schreien, hyperventilieren und hyperagieren, verfallen in Angst, Depressionen und Panik (dann kommen mit voraussagbarer Sicherheit Panikattacken), glauben, es nicht mehr zu ertragen (der Glaube versetzt bekanntlich Berge), rennen innerlich gegen die Phänomene an, wollen unser altes Leben zurück, kurz gesagt, ziehen uns selbst immer weiter herunter, gedanklich und emotional (da sind wir im energetischen Bereich). Ich habe seit Jahren RGS, und ich versichere, so wird es ständig bergab gehen, und das Stresslevel des Körpers wird ständig steigen, wenn wir uns so verhalten, oder nur auf den Doktor warten, der die Probleme löst.

    oder

    2. Wir machen uns sachlich kundig und disziplinieren uns selbst. Ich weiß, das ist ein Begriff, der heute kaum noch benutzt wird und nicht gerne gehört wird. In diesem Zusammenhang nochmal kurz zum Osten. Jede Form der Meditation, oder im Westen der Kontemplation ist ein Akt der Disziplinierung. Würde ich allerdings bei einer Kundalini Auslösung nicht empfehlen.
    D.h., es müssen all die Maßnahmen ergriffen werden, die schon mannigfach genannt wurden: Bewegung (erdet), Wasser (absorbiert), Ablenkung, soziale Kontakte, regelmäßige Nahrung (Blutzuckerspiegel), Nahrungsergänzungsmittel etc.
    Lernen zu akzeptieren, wenn man nicht arbeiten kann. Das ist in diesem Prozess so. Wer arbeiten kann, umso besser. Sich Mitmenschen vom Hals halten, die uns Energie absaugen (Energievampire), weil wir uns das nicht mehr leisten können. Ausprobieren, was tut mir gut, was nicht. Das alles geht nicht von heute auf morgen, jedem tut etwas anderes gut. Menschen suchen, mit denen man offen reden kann. Wer nicht schlafen kann, Schlafmittel nehmen, denn wir brauchen jedes Quäntchen Kraft, und Schlaflosigkeit treibt das Nervensystem hoch.

    Das Wichtigste aber ist, die Dinge auszuhalten und nicht gegen sie anzukämpfen, es ist ein sinnloser Kampf. Die Phänomene sind nicht immer gleich stark. Man geht als "Sieger" hervor, wenn man wieder eine Welle der Überflutung aus Sexualität und Schmerz ausgehalten hat. Nicht denken, diese verdammten Gefühle, sondern sie fühlen und sich dann wieder anderen Dingen widmen. Vor allem aber den Körper spüren und mit sanftem Druck anfassen und damit seine Grenzen neu festlegen, die durch die Gefühle überschritten wurden. Da wo Körper ist, ist keine Dissoziation.
    Trotz der quälenden Gefühle innere Ruhe herstellen. Das geht, auch nicht von heute auf morgen, das bedarf der Übung und ist ebenfalls ein Prozess. Es bedarf einer konsequenten Veränderung der inneren Haltung gegenüber der gesamten Phänomenologie. Innerer Ausgleich und Gelassenheit bedeutet, diese Gefühle zu meistern und damit beruhigen sie sich. Wenn wir ihnen wie die Polizei weiter hinterher jagen und sie kontrollieren wollen, werden wir kläglich scheitern. Dazu gehört auch, langsamer und achtsamer zu werden, nicht schon beim nächsten Projekt zu sein, sondern sich auf das, was wir gerade tun zu konzentrieren. Das ist wichtiger, als die Gefühle. So etwas will geübt sein, unser bisheriges Funktionieren in dieser Welt war vollkommen anders, also Mut.

    Der Post ist jetzt so lang geworden, da kann ich abschließend auch noch eine Geschichte schreiben, die Peter Levine in seinem Buch erzählt:
    Ein Schüler kommt zu einem Zen-Meister und bittet ihn, ihm zu erklären, was der Himmel und was die Hölle ist. Der Zen-Meister schaut ihn an und sagt ihm, wie so ein hässlicher, untalentierter Mann dazu komme, ihn so etwas zu fragen. Der Schüler wird wütend und richtet sein Schwert gegen den Zen-Meister. Da sagt dieser ganz ruhig: "Siehst du, das ist die Hölle". Der Schüler versteht sofort, zieht das Schwert zurück und verneigt sich in Demut. "Siehst du", sagt der Zen-Meister, "und das ist der Himmel".

    Also, bändigen wir unsere Ängste, unsere Wut auf das "verlorene Leben", unsere selbsternannte Hilflosigkeit, unseren Neid auf die, denen es gut geht etc..

    LG Aristocat


    Waupi
    Neuling
    Neuling

    Anzahl der Beiträge : 65
    Anmeldedatum : 20.10.15

    Re: Ergänzung zu meinem Schreiben an Wissenschaftler

    Beitrag  Waupi am Sa Okt 29, 2016 4:30 pm

    Danke.

    Gesponserte Inhalte

    Re: Ergänzung zu meinem Schreiben an Wissenschaftler

    Beitrag  Gesponserte Inhalte


      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Mo Sep 25, 2017 6:33 pm